Kaufberatung: Digitalkamera für unter 500 Euro

a lot of cowpower, fotografiert mit einem iPhone 6s Freitag ist Foto-Tag, d.h. ich schreibe immer Freitags einen Artikel zu einem Fotografie-Thema. Und an diesem #Foto-Freitag will ich mich einer Gretchenfrage widmen:

Welche Digitalkamera für unter 500 Euro soll ich mir kaufen?

Diese Frage wird mir (warum auch immer, aber Danke für das Vertrauen) ziemlich häufig gestellt. Und ich dachte, dass ich meine Recherchen und Meinung zu dem Thema mal in einen Blogpost verpacken kann. Es gibt zwar sicher viele von Euch, die mehr von Kameras und Fotos verstehen als ich. Aber dieser Guide ist auch nicht abschließend gemeint und irre subjektiv. Er soll lediglich dabei helfen, die für Dich beste Kamera zu finden – und zwar wie erwähnt unter 500 Euro, weil das für viele eine magische Grenze zu sein scheint (oder nur leicht drüber, dazu gleich).  Ich werd' ihn kontinuierlich updaten. Los geht's... 

Vorab: Wenn Du Anregungen, Fragen, Feedback oder Kritik für mich hast: Am besten via Email oder in den Kommentaren. Und bevor es nun ganz echt und wirklich los geht: Noch drei allgemeine Tipps, damit man nicht unglücklich wird:

1. Sich nicht in Testberichten verlieren

Ausführliche Testergebnisse aus Magazinen oder von großen Foto-Webseiten kann man ruhig lesen, wenn man eine Digitalkamera kaufen will. Und mit in den Entscheidungsprozess aufnehmen: Weil sie zum Beispiel zeigen, ob eine Kamera fundamental-nervige Eigenschaften hat (lahmer Autofokus, mieses Bedienkonzept). Aber diese Labortests sind eben auch nicht alles.

Deswegen: Lest ruhig zu Eurer Traumkamera am Ende mal ein, zwei, drei dieser ausführlichen Berichte; aber verliert Euch nicht in Reviews. Sie sollen Euch Sicherheit geben, keinen Schrott zu kaufen. Aber bildet Euch eine eigene Meinung: Und probiert die Traumkamera im Idealfall einfach mal aus.

2. Nicht ständig schwanken, sondern entscheiden und lieber Fotos machen.

Es gibt immer Typen, die einem ständig eine andere Kamera als diejenige empfehlen, für die man sich entschieden hat. Ob vor oder nach dem Kauf. Oft gehört: „Hat aber bei XY mit 85% abgeschnitten“ oder „Sensor ist viel rauschärmer, Laborwerte sind super“. In den seltensten Fällen haben diese Kritiker dann auch wirklich irre Bilder mit ihrer "Empfehlungs-Cam" gemacht, die sie zeigen können. Deswegen: Am besten nicht hinhören. Man kann immer was neues kaufen, passiert mir auch oft genug, aber bringt meistens nichts: Die Fotos werden davon kaum besser.

3. Der Preis sagt erstmal nichts darüber aus, ob man gute Bilder hinbekommt.

It’s all about the photographer. Und noch eine Weisheit hinterher: Auch mit günstigen Kameras kann man irre gute Bilder machen und sogar Preise gewinnen oder für Magazine fotografierenEin lesenswerter und zeitloser Artikel (aus 2011) dazu stammt von Zoriah, Fotojournalist, erschienen auf seinem Blog:

Photojournalism With a Point and Shoot Camera: Becoming a Photojournalist With Budget Camera Equipment.

Es hört nie auf, man wird immer Kompromisse mit seinem Foto-Equipment und der Ausrüstung machen müssen: Aufgrund eines limitierten Budgets, oder weil man nicht alles mitschleppen kann oder weil man einfach unzufrieden ist. Doch das muss man ignorieren. Am wichtigsten ist: Fotos machen, raus gehen, die neue Kamera benutzen.

Los geht’s: Welcher Kamera-Typ bin ich?

Aber jetzt zurück zu Ausgangsfrage: Welche Kamera für unter 500 Euro kaufen? Jeder hat seinen eigenen Einsatzzweck. Deswegen frag Dich am Anfang: Welcher der nachfolgenden drei Kamera-Typen bin ich?

Kameratyp 1: "Ich suche eine kleine Kamera, die will ich am liebsten immer dabei haben. Entweder als Backup zu einer größeren. Oder weil es mir zu peinlich oder zu schwer ist, immer dieses große Kamera-Ding mitzunehmen"

Empfehlung: iPhone 6s

Für die meisten Menschen reicht das iPhone völlig aus. Ja, das kostet ohne Vertrag über 500 Euro. Doch in den meisten Verträgen sollte es möglich sein, es unterhalb der dieser Grenze zu bekommen. Und nicht erst seit Apples großen „Shot with an iPhone“ Plakaten und Kampagnen an vielen Hausfassaden, wissen wir, welche krassen Bilder man mit Smartphone-Kameras machen kann. Definitiver Pluspunkt: Das Telefon hat man vermutlich wirklich fast immer dabei.

Und man kann mit dem iPhone nicht nur schöne, sondern irre schöne und professionelle Bilder machen. Bewusst hab ich hier nur einen einzigen Link aufgeführt, der das iPhone 6s featured, die anderen Links beziehen sich auf ältere Modelle (die noch schlechter waren auf dem Papier):

Andere Empfehlung: Sony RX 100 (egal welche)

Natürlich ist eine Smartphone schon ob seiner Bauweise limitiert. Wer unwiederbringliche Dinge erlebt, der möchte (auf Reisen zum Beispiel) vielleicht doch was höherwertiges mitnehmen, wenigstens fürs gute Gewissen.

Bildschirmfoto 2016-05-13 um 14.42.45Das iPhone 6s macht wirklich krasse Fotos. Wenn es aber nun ein wenig besser sein soll, kein Smartphone, sondern auch was mit Zoomobjektiv zum Beispiel, mehr Eingriffsmöglichkeiten, vielleicht sogar RAW-capabilities... (wer nicht weiß, was das ist, der braucht es auch nicht)...

Dann gibt's eigentlich nur eine Empfehlung für mich, wenn man eine kompakte Digitalkamera für unter 500 Euro kaufen will. Aber vorab schnell zur Frage, wie toll Kompaktkameras eigentlich sind: Das steht zum Beispiel bei Eric Kim im Blog (es wird auch Alex Majoli von Magnum Photos, der im Ruf steht, vor allem Kameras unter 200€ für viele seiner Arbeiten zu verwenden): 5 Reasons Why You Should Use a Point and Shoot for Street Photography

Jetzt aber zur eigentlichen Empfehlung: Der Sony RX 100. Es gibt vier Modelle. Ich empfehle sie alle vier, hängt letztlich vom Budget und den Anforderungen ab:

Mit allen vieren kann man theoretisch ein Zeitschriftencover oder eine Reportage fotografieren. Alle haben einen deutlich größeren Chip, 1 Zoll, als viele andere Kompaktkameras. Das ist gut: Bei schlechtem Licht rauscht das Bild weniger. Und man bekommt schneller sog. Tiefenunschärfe hin (kennt man ja von Spiegelreflexkameras: scharfes Motiv, unscharfer Hintergrund). Das Objektiv ist bei allen vieren super, sie unterscheiden sich allerdings in der Brennweite (I und II haben eine Brennweite von 28mm-100mm, umgerechnet auf Kleinbild, ab III sind es 24-70mm. Also mehr Weitwinkel, weniger Tele).

Fotografiert mit der Sony RX100 II von Roberto Borello (via Flickr), Creative Commons

Wenn ich mich unter den vieren für ein Modell entscheiden müsste: Sony RX100 II. Kostet unter 500 Euro, Klapp-Display, mehr Tele wäre mir lieber als die 4mm im Weitwinkel, die aber schon einen Unterschied machen.

Alternativen: unzählige. Macht Euch nicht verrückt. Für den Style kann man noch zu Fuji schauen, zB zur X30, aber die ist mir zu groß für diese Kategorie.

 

Kameratyp 2: „Ich will mehr, als Handy oder Kompaktkamera. Und meine Fotos sollen professioneller aussehe, also zum Beispiel mit unscharfem Hintergrund. Mir ist es egal, ob was um meinen Hals oder um meine Schulter hängt.

DSLR oder digitale Spiegelreflex: Canon EOS 700d oder 1300d – oder Nikon D3300

Spiegelreflexkameras sind sowas wie der VW Golf unter den Digicams: Bewährt, nicht billig, aber für die meisten doch noch erschwinglich. Klassiker. Sie heißen so, weil man über den Sucher via Spiegel durch das Objektiv schaut. Dieser Spiegel klappt hoch, wenn man ein Foto macht.

Eine DSLR hat einige Vorteile:

  • Bewährtes, gut entwickeltes System: Unzählige Tipps, Anleitungen und Co sind online verfügbar für fast jedes Modell
  • Ihr bekommt schon bei den Einstiegs-Cams eine richtig gute Bildqualität
  • Objektive sind wechselbar: Man kann also mit der Kamera wachsen und sein Equipment vergrößern und professionalisieren
  • Chip ist groß genug für Tiefenunschärfe
  • Viele mögen den optischen Sucher

Mein Rat: Keep it simple, trotz vieler Anbieter. Wenn man Canon oder Nikon kauft, dann kann man nicht viel falsch machen. Es ist dann nur eine Frage des Budgets, wie hoch man geht.

Faustregel: Wer auch filmen will, der greift lieber zu Canon. Nikon hat für mich persönlich das bessere Bedienkonzept. Aber da scheiden sich die Geister und mit beiden kann man irre Bilder machen.

Nachteile: groß, ist erfahrungsgemäß nie dabei, wenn man sie braucht. Liegt viel im Schrank, bis die ersten Kinder kommen, dann kauft man aber eine neue.

Zu den Empfehlungen: Canon EOS 700d im Kit, liegt leicht oberhalb der Grenze von 500 Euro. Oder die Canon EOS 1300D: reicht für die meisten Anwendungen und Anfänger aus. Hat sogar WLAN. Würde beide persönlich wegen der besseren Ausstattung der Nikon D3300 vorziehen, obwohl ich Nikon liebe. (WLAN ist wirklich praktisch, wenn man seine Bilder nicht am PC/Mac bearbeiten will, sondern via Smartphone und / oder gleich verschicken will)

Last but not least: eine Systemkamera, Sony a6000

Systemkameras haben keinen Spiegel, sondern meist einen elektronischen Sucher, immer ein Display. Diese Kameras einige Jahre am Markt, und man kann Jahrzehnte damit verbringen, alle Testberichte / Reviews / Praxistests usw. über sie zu lesen. Wichtiger ist die Frage: Warum kauf ich mir so etwas? Warum keine Spiegelreflex?

Eine Systemkamera bezeichnet eigentlich immer eine Kamera, die mehr kann als eine Kompaktkamera, weil sie Teil eines Systems ist, dass zum Beispiel das Wechseln der Objektiv erlaubt. Man kombiniert also die Vorteile einer Kompaktkamera (mangels Spiegel sind die Kameras oft viel kleiner als DSLRs) mit denen einer Spiegelreflex (großer Sensor, flexibles System mit Wechselobjektiven).

Systemkameras sind ein modernes, noch recht neues und sehr beliebtes Segment. Und wenn man wirklich in die Fotografie einsteigen will, eine tolle Wahl. Ob man nun eine schon beschriebene DSLR – oder eben Systemkamera wählt hängt viel mit dem eigenen Geschmack und Vorlieben zusammen.

Ich mag bei Systemkameras, dass ich statt dem optischen Sucherbild bei einer DSLR wirklich das sehe, was ich auch fotografiere (weil es ja ein elektronischer Sucher ist, oder zumindest via Display); aber andererseits schätze ich gerade das auch bei meiner DSLR: Ich sehe ein helles, analoges Bild, und aus Erfahrung weiß ich dann ungefähr, wie es digital aussehen wird, wenn ich den Auslöser drücke. Das lenkt mich irgendwie weniger ab.

Aber im Ergebnis ist es wirklich egal!

Es gibt drei oder vier Systeme / Hersteller, die man sich kurz ansehen kann. Das sind Deine Alternativen:

a) Fuji Fuji ist der Cool Kid unter diesen Kameras: Man hatte lange nichts von Ihnen gehört, mittlerweile gibt es kein hipperes (und schöneres) Kamera-System. Wenn ein cooler Typ in Portland einen Espresso auf einem Rennrad fotografiert: 75% Chance, dass es eine Fuji war.

Warum ist das so? Funktionieren super, ein richtig tolles System, super Bilder, super Kameras, und viele, viele Profis nehmen gerne Fujis. Obwohl Fuji nicht aufs Vollformat setzt. Außerdem schätzen viele den Look: sehr nahe am Film. Mein Tipp bei unter 500 Euro und wenn es Fuji sein soll: die X-A2, Straßenpreis im Kit ca. 500 Euro und in schönen Designs zu haben, zum Beispiel mit braunem Leder.

b) Meine klare Empfehlung lautet aber: Sony a6000. Für Einsteiger eine der besten Kameras. Liegt im Kit leicht über 500 Euro, als Warehouse-Deal bei Amazon aber manchmal auch für rund 500 zu haben. Wenn das definitiv zu teuer ist: Sony A5100. Auch mega gut, hat aber keinen Sucher. Würde mich nerven.

Warum die beiden Sonys?

  • Super oft empfohlen, fast jeder, den ich kenne, ist 100% happy
  • Autofokus super, Ausstattung in der Preisklasse sensationell
  • Video-Qualität auch gut
  • unkomplizierte Bedienung
  • flexibles, gut ausgebautes System

c) Noch zu erwähnen: Micro-Four-Thirds. Kleinerer Chip als bei Fuji oder Sony, aber deswegen nicht unbedingt schlechter. Damit ging der ganze Systemkamera-Hype eigentlich los. Es gab plötzlich die Möglichkeit, eben keine Spiegelreflex oder sog. DSLR mitzuschleppen und dennoch Objektive zu wechseln, eine Semi-Profi-Usability zu haben etc.

Ein sehr guter, wenngleich älterer, Post zu diesem Thema von Craig Mod, beschreibt eine Reise in den Himalaya, bei der eine Spiegelreflex zu schwer gewesen wäre, aber eine gute Bildqualität eben schon wichtig war, lesenswert, wenn man sich informieren will.  Beschrieben wird eine GF1 von Panasonic mit dem berühmten 20mm 1:1,7. Das Objektiv hatte ich auch mal, ich liebe es, allerdings an einer anderen Kamera. Es hat eine sehr offene Blende (das heißt, man kann auch bei wenig Licht fotografieren, ohne Blitz oder eben Objekte / Menschen schön freistellen, also scharf vor unscharfem Hintergrund, denn dafür ist nicht nur die Sensorgröße, sondern sind auch Brennweite und Blende entscheidend, Details gerne auf Nachfrage). Und immer noch muss oder kann man sich hier, in dieser Kategorie, zwischen Olympus und Panasonic entscheiden.

Nicht mein Fall, aber mit einer Olympus PEN oder Panasonic GX7 macht man auch nix falsch. In dieser Kategorie kann man aber auch leicht über 1000€ ausgeben. Und wer gar keine Objektive haben will und gerne zoomt, der kann sich (gehört eigentlich nicht hierher, sondern zu den Kompaktkameras, ist aber nicht kompakt) die Olympus Stylus 1 auch mal ansehen.

 

Das Fazit

Mit (fast) jeder Kamera kann man tolle Fotos machen, Terry Richardson wird gerne als Beispiel genannt, für jemanden, der mit günstigen Kameras sogar Fashion und Präsidenten fotografiert, und zwar alten, analogen von Yashica (natürlich nicht immer). Analog ist sowieso wieder und wieder in und viele hochwertige Magazine, zB Kinfolk, featuren Fotografie(n), die mit einer 300-Euro Contax T2 aufgenommen wurden (eine sehr schöne Analog-Kamera by the way).

Also: Wer was für die Hosentasche haben will, der nimmt das iPhone 6s.

Zweitens: Wer Fotografie als Hobby betreiben will und wem das Gewicht egal ist: mit einer DSLR kann man nicht viel falsch machen: solange man Nikon oder Canon kauft. Dann entscheidet letztlich das Budget über das passende Modell. Lieber einen günstigeren Body und später gute Objektive.

Wer ein kleines Gehäuse haben will, der nimmt eine Systemkamera: Am besten die Sony a6000 oder die a5100.

Further Reading

Die meisten Kameras gibt es live zu sehen bei DigitalRev-TV auf Youtube, Testseite Nummer 1 aus meiner Sicht ist dpreview.com, noch nicht erwähnte Blogger sind Steve Huff und Ken Rockwell (beide schreiben sehr bekannte Fotoblogs, im Unterschied zu den schon Erwähnten sind sie aber keine Profifotografen, die bloggen, sondern Profi-Fotoblogger... also watch out, nicht jeder stimmt mit Ihnen überein, Rockwell liebt Nikon, Huff eigentlich nur Leica, die Community hasst in der Regel Ken Rockwell, Zach Arias wäre da auch noch... aber am Ende liest man Bericht über Bericht... und wenn man dann noch Barry Schwartz und The paradox of choice ins Feld führt, dann ist man eh unglücklich, also lieber gar keine Kamera kaufen.

Ach, one more thing...

Ich bin Individualist, ich will kein Telefon verwenden, aber Ästhet. Und will eine besondere Kamera...

Die Ricoh GR, die man in der Version I schon für unter 500 Euro bekommt, ist Deine Wahl: Kein Zoom, Chip so groß wie bei einer DSLR (nicht Full Frame natürlich), Style Faktor 10/10 und bewährt bei vielen, vielen Profi- und Street-Fotografen. Das Review von Eric Kim ist so gut... Ich habe fertig.