Workflow: Foto Backup mit Dropbox und Co

Update, Mai 2016: Dieser Post ist schon ein wenig älter, nicht zwingend veraltet. Aber Apple hat deutlich nachgebessert und auch das Pricing vieler Anbieter ist anders. Als ersten Einstieg kann man aber sicher nochmals hier nachlesen... Es ist ein schreckliches Ü30-Thema: ein Essay über Backup-Lösungen für Fotos via Dropbox. Aber jedes Mal, wenn meine externe Festplatte mit den Fotos der letzten 15 Jahre mal eben nicht erkannt wird, vom Schreibtisch fällt oder andere Alltagskatastrophen drohen, setzt der Herzschlag kurz aus (trotz Backups). Denn die Vorstellung, dass alle diese Bild gewordenen Erinnerungen für immer weg sind? Die ist furchteinflößend – und wahrscheinlich gerade für die Zielgruppe Ü30 erdrückend traurig. Denn die Leichtigkeit der Jugend, so wie ich sie mir romantisch vorstelle – "Scheiß auf die Fotos, dann fahren wir eben heuer wieder nach Lloret" – ist dieser Generation irgendwann beim Preisvergleich von Eigentumswohnungen in Ballungsräumen abhanden gekommen ("aber die Zinsen sind doch gerade so günstig").

Allerdings und der Furcht zum Trotz: Seine Samstagabende sollte man dennoch nicht mit der Recherche von Backup-Lösungen verbringen, wenn man sich noch Würde vor seinem eskalativen Selbst bewahren will. Davor möchte ich schützen. Und deswegen dieser Beitrag aus dem nebligen Passau, wo sogar die Tankstellen um 22 Uhr schließen – und mein Vorschlag: Dropbox. Für jeden.

Früher war ja alles besser. Die Festplatte war groß genug, alle 1,2-Megapixel-Fotos hatten gemütlich auf ihr Platz. Eine externe Festplatte hatten und brauchten nur wilde und gefährliche Raubkopierer. Es gab keine Cloud, gefühlt auch keine NSA – und richtig fotografiert hat man eh analog und dann alles in Alben geklebt. Rentner haben derweil ihre Dias gescannt.

Diese Zeiten sind vorbei. Und leider hat Apple zwar das Musik-Backup-Problem meines Erachtens nach mit iTunes-Match zumindest für Faule in den Griff gekriegt (die sich mit Standard-iTunes-Liedern begnügen können und keine 10.000 Vinyls digitalisieren möchten). Doch Foto-Backups sind nach wie vor Handarbeit oder Denksport, es gibt auch von Apple nur eine Beta einer wartungsfreien Never-worry-about-anything-Lösung. Apples Fotostream ist zwar super für Schnappschüsse in der Familie (dazu später), aber als echtes Backup unbefriedigend: Bilder werden beispielsweise nicht in voller Auflösung gespeichert (ist das durch 8.1 nun anders? Konnte es noch nicht testen) und man war vor iOS 8.1 auf die letzten 1000 Bilder reduziert (außer jemand weiß es besser, aber das wäre mein aktueller Kenntnisstand).

Mit der Beta-Version der iCloud-Photo-Library wird sich das ändern. Seit am 20.10. das gerade schon erwähnte iOS 8.1 erschienen ist, kann man diese Beta-Version als Endkunde testen. Die Preise für Apples Cloud-Speicher sind inzwischen auch gesunken, 5GB gibt es umsonst. Doch unabhängig davon, wie gut die Photo-Library dann funktioniert: Eine Cross-Plattform-Lösung ist es wahrscheinlich nicht. Das heißt einer der großen Vorteile von Dropbox, dass ich Fotos auch leicht mit Android-Usern beispielsweise teilen kann, wird wohl bestehen bleiben.

 

Everpix hat's leider nicht geschafft

Vorhang auf für Everpix. Endlich Ruhe. Alle Technikfreunde sind begeistert. Doch Halt, leider hat Everpix nicht überlebt. Google+? Irgendwie werde ich mit der Lösung, alle Fotos in einem Social-Network zu speichern, nicht warm. Aber ansonsten sind die Fakten über viele Zweifel erhaben (sofern man Google diese Daten anvertrauen möchte, das muss aber jeder selbst wissen): 15 GB Speicherplatz aka Google Drive, kleine Fotos (bis 2.084 x 2.084px) zählen nicht dazu. Und für wenig Geld kann man sich mehr Online-Speicher kaufen. Flickr? Eigentlich ein No-Brainer seit der Übernahme durch Yahoo!, ein ganzes TB gibt's schließlich umsonst. Aber der Workflow ist nicht besonders toll, dafür als Backup-Lösung ideal für Instagram (auch dazu später). Flickr und Google+ wären allerdings dann meine Wahl, wenn man nicht nur in der Cloud backupen will, sondern auch mit anderen Fotografen interagieren und Fotos kommentieren möchte, also eine Foto-Community sucht.

Aber nun ein Sprung zu meiner Empfehlung für alle: Dropbox.

Vorab: Wer sich technologisch immer noch mit der schon erwähnten Vergangenheit verbunden fühlt, kein verrücktes Smartphone besitzt, dafür eine (ältere) Digitalkamera und nur ab und zu ein paar Fotos macht, diese dann in thematische Ordner ("Ausrasten in Lloret 2013", "Friedrich Benjamins Taufe 2010") verschiebt und brav sortiert, der hat's gut. Seine Festplatte reicht, er kopiert die Ordner regelmäßig auf eine externe Festplatte – und gibt diese dann bei den Eltern zur Aufbewahrung ab. Solange die sie nicht täglich in die Sonne legen, kann der Rechner verloren gehen oder es darf sogar mal brennen: Die Fotos sind sicher an einem physisch getrennten Ort aufbewahrt. Mit Cloud-Lösungen wie Dropbox, will dieser Fotofreund wahrscheinlich eher wenig zu tun haben.

Bei mir funktioniert das nicht: Ich mache (viele) Fotos mit dem iPhone, noch mehr mit anderen Digitalkameras, mache (zu wenige) Videos und möchte die Backups am liebsten automatisieren und in der Cloud auf vielen Geräten verfügbar haben. Und das geht mit Dropbox sehr gut.

 

I love you, Dropbox

Dropbox ist gefühlt der Platzhirsch unter den Cloud-Speicher-Lösungen und wäre Dropbox eine Sportart, dann würde ich es als Joggen oder als Training im Fitnessstudio einordnen: Irgendwie macht es fast jeder, aber die wenigsten von uns mit System. Dabei könnte alles so einfach sein.

Teurer als Spotify ist es auch nicht mehr: Dropbox hat seine Tarife kürzlich geändert und bietet nun 1TB Speicher für unter 10 Euro im Monat oder 99 Euro pro Jahr an.

Dropbox ist für viele sicher eine gute Lösung: Weil sie es eh schon nutzen. Zum Beispiel um immer Zugriff auf wichtige Dokumente zu haben. Dropbox hat sich auch in Sachen Fotos ständig weiterentwickelt (nicht nur durch die Übernahme von Loom) und die User Experience ist für Fotografen immer besser geworden. Allerdings orientiert es sich stark an einer klassischen Ordner- und Desktop-Struktur. Alben oder andere Sortierungsmöglichkeiten gibt es nicht wirklich. Doch das kann man automatisieren.

Im Folgenden will ich mal einen Workflow beschreiben, bei dem Dropbox als zentrale Backup- und Sharing-Lösung funktioniert.

„Ich mache Fotos (nur) mit dem iPhone oder iPad“

Das ist der schönste Workflow von allen, weil er simpel zu automatisieren ist und man gegen Ende wunderbar nerdy werden kann. Vorab: Wer ein iPhone und iCloud nutzt, dem dürfte das Apple-Feature für die Shared Fotostreams bekannt sein, die wird es wahrscheinlich auch unter 8.1 und ff. noch geben, wie auch immer sie dann heißen. Das hat mit Dropbox noch nichts zu tun, aber ist super nutzbar innerhalb einer Familiengruppe oder mit Freunden. Doch wir wollen ja was anderes erreichen: Die eigenen Fotos sollen möglichst automatisch bei Dropbox hochgeladen und es soll damit ein Foto Backup mit Dropbox erreicht werden.

Das geht ganz einfach mit der Dropbox-iOS-App: Einfach auf dem iPhone in der App unter Einstellungen > Kamera-Upload aktivieren und sofort wird jedes Foto im Dropbox-Standard-Ordner namens Kamera-Uploads gesichert.

Camera-Uploads

Dort liegen sie dann, die Bilder, und können regel- oder unregelmäßig sortiert und in andere Ordner verschoben werden, die man zum Beispiel nach Datum oder Ereignissen („Lloret 2013“) benennt. Den Ort für den Kamera-Uploads-Ordner kann man meines Wissens nicht ändern. Aber die Bilder etwa monatlich oder wöchentlich in andere Ordner verschieben.

Mit dieser Lösung dürften viele schon ganz glücklich sein, allerdings muss man manuell sortieren und auch den Upload gibt es in einer sophisticated Variante.

Dank Daniel Setzermann bin ich vor einiger Zeit auf Federico Viticci und sein Blog Mac Stories gestoßen. Und er hat einen sehr schönen Workflow vorgestellt, den man hier im Original nachlesen kann.

Ich fasse mal zusammen: Er verwendet für den Upload die App CameraSync, sortiert wird mit Hazel, das wohl nur Power-User kennen dürften. Aber der Reihe nach...

Der Upload.  Geeky vorweg: Man kann Orte in der App bestimmen, an denen der Upload erfolgen soll. Wer etwa (aus Performance-Gründen beispielsweise) nur im Büro seine Fotos in die Cloud laden möchte, der kann das in CameraSync einstellen. Außerdem lassen sich Screenshots aussortieren, was ich aber ungern tue: Ich bin froh, wenn die auch archiviert werden, meistens mache ich sie ja, um etwas für längere Zeit zu speichern.

Die Sortierung. Schon mal ein intelligentes Postfach in Mail genutzt? Beispielsweise im Sinne von: Alle Fotos von xy@gmail.com sollen dort angezeigt werden? Nach diesem Prinzip funktioniert Hazel. Mit so genannten Regeln können Dateien verschoben und organisiert werden. Also wenn die Datei die Endung X hat, dann bitte in den Ordner Y verschieben. Federico Viticci legt bei seinem (empfehlenswerten) Workflow zunächst einen aktuellen Jahresordner an, die erste Hazel-Regel verschiebt nun jedes Foto, das in diesem Jahr aufgenommen wurde auch in diesen passenden Ordner, der zum Beispiel 2014 heißt. Er sortiert vorab noch Files aus, und mit einem selbst geschriebenen Script und noch mehr Hazel-Awesomeness schafft er es, dann auch noch automatisiert in Unterordner zu verschieben. Aber lest am besten selbst nach, wie er es macht, eigentlich auch für Anfänger leicht verständlich.

Mit dieser Dropbox-Sync-Lösung hat man nun ein automatisches Backup aller iPhone-Fotos, außerdem stehen mit der App die Fotos auf jedem iOS-Gerät, etwa einem iPad zur Verfügung, und ich kann Fotos (beziehungsweise Ordner) immer schnell mit Freunden sharen  – und muss sie nicht jedes Mal extra zu Dropbox hochladen, da befindet sich ja eh die ganze Sammlung. Und im Unterschied zur Apple-only-Lösung kann ich noch mehr machen mit Dropbox, kommt gleich...

 

Wenn man ab und zu noch eine Digitalkamera verwendet, etwa im Urlaub?

Kein Problem, Kamera-Upload funktioniert auch am Mac oder PC, es lassen sich via Dropbox beliebig viele Geräte aller Plattformen (sofern sie Dropbox unterstützen) in den Workflow integrieren – Kamera-Upload startet, wenn eine Kamera angeschlossen hat oder eine Speicherkarte erkannt wird. Kompliziert(er) wird es dann erst mit einer weiteren Software, etwa Lightroom...

 

Und was ist mit den Instagram-Bildern?

Man kann Danke Dropbox auch ganz einfach ein Backup seiner Instagram-Bilder machen. Ich bearbeite die meisten vor dem Upload mit VSCO und schicke sie von dort direkt zu Instagram. In der Camera Roll auf dem iPhone finden sich daher nur die Originale, aber ich will auch die bearbeiteten Bilder irgendwo automatisiert speichern. Das geht am besten mit IFTTT.

Es gibt ein Rezept, welches jedes Bild aus Instagram zu Dropbox pusht, oder zum Beispiel zu Flickr (wo man wie schon erwähnt 1TB Speicherplatz hat). Ich nehme Flickr, dann vergesse ich die Plattform wenigstens nicht ganz. Außerdem kann man mit einem weiteren Rezept alle seine (auch vergangenen) Fotos aus Instagram auf die Dropbox übertragen.

Drei IFTTT-Rezepte für Dropbox

 

Fremde Facebook-Bilder

Bisher sind auf der eigenen Dropbox nur Bilder, die man selbst gemacht hat, ob via iOS oder Instagram / VSCO. Doch mich interessieren ja unter Umständen auch die Fotos, die nicht von mir als Fotograf stammen, auf denen ich aber getagged wurde – und zwar auf Facebook. Auch die kann man mit IFTTT automatisch in die Dropbox ziehen (Man beachte die Urheber- und Nutzungsrechte).

IFTTT Aktion Facebook zu Dropbox

 

Wem besagte Urheberrechte noch mehr egal sind, der kann auch noch völlig fremde Fotos automatisch speichern, zum Beispiel diejenigen, die er auf Instagram geliked hat als Inspiration für später:

Bildschirmfoto 2014-10-21 um 18.09.42

Apple und Flickr

Bei beiden wird sich in naher Zukunft zeigen, wohin die Entwicklung geht. Flickr hat endlich auf die Community gehört und kürzlich sogar eine richtig gute iPad-App veröffentlicht, die den Workflow deutlich verbessert hat. Flickr ist mir dennoch irgendwie zu umständlich. Wer jedoch nicht für seinen Cloud-Speicher zahlen möchte und viele, viele Fotos in der Cloud speichern will, für den könnte Flickr eine echte Alternative sein.

Von den ganz neuen Möglichkeiten des Apple-Cloud-Speichers war ja schon die Rede. Ich bin gespannt, wie es zum Beispiel und ob es überhaupt über verschiedene Betriebssysteme funktionieren wird. Derzeit werde ich selbst bei meinem Dropbox-Workflow bleiben. Bei Apple hab ich für 99 Cent monatlich den Speicher lediglich für Backups auf 20GB erhöht.

 

Und mit Lightroom?

Ich verwalte alle meine eigenen Fotos via Lightroom. Den ich will jedes Foto im Lightroom-Katalog indexiert haben, mache viele Bilder nicht mit dem Smartphone, sondern echten Kameras.

Lightroom brauche ich dabei, um nicht den Überblick zu verlieren, einheitlich zu bearbeiten und alles in ein System zu pressen. Das schreit eigentlich nach einem zweiten Blogpost zusammen mit Daniel, denn wer wirklich viele Fotos macht (Videos sind ob ihrer Größe noch schlimmer) und auch Backup-Lösungen außerhalb der Cloud zusätzlich nutzen möchte, der hat schon wieder die Qual der Wahl. Ich hab meinen Workflow und mein Backup-Schema mal aufgezeichnet, dass allerdings auch einige Schwächen hat (zum Beispiel die Upload-Zeiten bei Backblaze, was aber freilich an meiner eigenen Verbindung liegt):

workflow

 

Noch hab ich es nicht voll umgesetzt, aber so funktioniert es:

  • Mein Laptop wird lokal via Time-Machine auf einer stoß- und überhaupt gesicherten 1TB-Platte gesichert, die bewahre ich im Büro in Passau auf, der Work-Ordner soll nicht in die Cloud, da bin ich paranoid
  • Der Private-Ordner liegt auch auf dem iMac zuhause und wird via Dropbox synchronisiert, der enthält keine großen Geheimnisse, mein Mietvertrag ist nicht so spannend, auch nicht das Kündigungsschreiben an meinen Handyanbieter
  • Alle Fotos liegen auf einer externen Festplatte am iMac, organisiert durch Lightroom, ebenso liegt auf der Platte der Lightroom-Katalog, der auf dem iMac nochmals gesichert wird. Die Fotos liegen auf einem 1TB-Dropbox-Account in der Cloud, so hab ich auf die Originale immer Zugriff, zum Beispiel via Dropbox-App
  • iTunes wird mit iTunes-Match abgeglichen und dort gesichert
  • Der iMac und die Festplatte werden via Backblaze gesichert, so hab ich auch von den Liedern noch eine Kopie, die ich zum Beispiel von einer alten Vinyl oder CD digitalisiert habe

Man kann natürlich auch noch den Lightroom-Katalog shared verfügbar machen via Dropbox, aber das soll dann lieber Teil eines schon angekündigten weiteren Blogposts sein über Backups. Wer sich generell für das Thema Foto-Workflow interessiert, dem empfehle ich auf jeden Fall ergänzend die (nicht mehr ganz aktuelle Dank der neuen Apple-Entwicklungen) Folge von Mac Power Users über verschiedene Foto-Workflows, da wird's auch wieder wunderbar geeky. Die Reading-List dazu lohnt sich ebenso.  Und ich freue mich natürlich über Feedback und Kritik an den vorgestellten Ideen.