Das perfekte Portemonnaie

Wenn man als Münchner das erste Mal mit Nicht-Bayern über Weltpolitik spricht, dann merkt man plötzlich, dass Kina ja eigentlich China heißt; und man zu einem Geldbeutel auch Portemonnaie sagen kann. Deswegen steht es (für die Allgemeingültigkeit) auch so in der Überschrift. Die Suche nach dem perfekten ... wird deswegen trotzdem nicht einfacher. Das vielleicht vorab...

Die Problemstellung Seit Monaten, gefühlt seit Jahren, möchte ich mein Geld anders aufbewahren. Irgendwo auf einem Karusselständer hab ich mal ein semi-schönes, braunes Modell gekauft. Verzweifelt versuche ich es zu ersetzen. Leider unmöglich.

Nicht zu groß soll er sein, einigermaßen formschön, nicht zu teuer. Und als Mitteleuropäer braucht man ein Münzfach. Keine Diskussion: Meine Empirik ist zu stark, ich habe alles versucht – Hosentaschen, Zweitbörsen, deutlich mehr Trinkgeld geben. Und nein: Ohne Münzen geht's nicht. Als ich noch dachte, man könne ohne auskommen, hatte die Suche einen vorläufigen Tiefpunkt erreicht: Der edle Leder Schein-und-Kreditkartenhalter ("Wallet" oder "Portemonnaie" kann man dazu nicht wirklich sagen) für fast 90$ war das Resultat eines 30-minütigen Beratungsgesprächs. Seitdem meide ich alle Läden mit großen Holztischen, auf denen die Ware Instagram-optimiert aufgebahrt wird und es Waschmittel mit Serifenschriften gibt. Der Stachel sitzt zu tief. Schon Minuten später hat es sich falsch angefühlt. Aber das haben diese Läden ja auch an sich: Man traut sich nicht umtauschen ("but it's an american heritage brand...").

Supr Ich hatte mein Problem schon wegignoriert, aber sollte schon bald das Supr Slim Wallet entdecken. Und um es kurz zu machen: Nein. Das ist es auch nicht. Ich schimpfe sehr ungern über Produkte, wahrscheinlich bin ich einfach nicht Teil der (amerikanischen, Münz-freien) Zielgruppe. Doch der Schlauch (genau, ohne Münzfach) war in echt dann eher ... genau, ein Schlauch. Aber auf YouTube sind die Reviews top. Muss an mir liegen.

Der Start eines Geschäftsmodells Um es abzukürzen: Bellroy hat mich nicht wirklich gepackt, die den Produkten eigene Münzphilosophie ("Münzen blähen die Geldbörse unnötig auf") teile ich nicht. Oder anders gesagt: Ich bin zu oldschool für ohne Münzen.  Ähnliches Problem bei hard graft, deren wunderbare Produktfotos mich allerdings gerade dazu veranlassen, mir eine iPad-Mini-Tasche zu bestellen, obwohl ich keines besitze. Es gäbe noch viele Beispiele, aber vor allem gibt es Hoffnung...

Vorhang: Daniel Eigentlich kümmert sich Daniel bei mymuesli um Online-Marketing. Aber seit kurzem bastelt er Dinge aus Leder. Daniel würde ich Außenstehenden als Thing-Maker beschreiben, vor dem Leder waren es Stühle, davor Lampen usw.

Und er hat das perfekte Portemonnaie erschaffen: Handmade in Berlin mit niederbayerischen Händen (keiner kann es also wirklich blöd finden, die Produkte sind weder typisch noch so-not-Berlin), aus schönem Leder und mit schönen Ideen. Und, genau, mit Münzfach. Auch den Schlüsselanhänger mit Kopfhörer-oder-was-anderes-Aufhängung kann man sehr empfehlen. Er ist noch nicht in die Mehr-als-2-Produktion eingestiegen. Vielleicht wird das auch nie passieren. Aber wer wie ich gebeutelt ist, der schreibe ihm eine Email. Und bei Daniel darf man sogar wieder Geldbeutel sagen.

(Wer ein solches Unikat bestellen möchte: Daniel weiß noch nichts von diesem Post, aber nimmt sicher Bestellungen entgegen. Auf seinem Blog steht, wie man ihn erreichen kann)